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13.06.2008
Vom Sanierungsfall zum SonnenhausWie ein Altbau in Ettlingen energetisch auf den neusten Stand gebracht wurde In das Dach des sanierten Stadthauses aus den 30er Jahren wurden sechs Indach-Solarkollektoren in die Dachfläche integriert. Vor Beginn der energetischen Sanierung entfielen 60% des jährlichen Energieverbrauchs allein auf die Wärmeverluste.Vor dem Umbau des 1936 erbauten Wohnhauses hatte Familie Merz-Rimmelspacher einen jährlichen Heizölverbrauch zwischen 4.500 und 6.000 Litern. In Anbetracht von 200 m² Wohnfläche auf drei Etagen, der völlig veralteten Heiztechnik und nicht vorhandenem Dämmstandard erscheint der Verbrauch noch im Rahmen, erklärt sich aber schlicht durch den Verzicht auf Wärmekomfort: "Wir haben nur dadurch Heizkosten gespart, dass ein Teil des Hauses einfach nicht beheizt wurde", berichtet Barbara Merz-Rimmelspacher mit einer Gestik, die Frösteln andeutet. Im Jahr 2000 hatte sie mit Ihrer Familie das Haus ihrer Eltern in Ettlingen bei Karlsruhe übernommen, das architektonisch den Charakter einer Stadtvilla hat. Doch nicht nur die alte Ölheizung war erneuerungsbedürftig: "Vor der Sanierung war das Dach nicht gedämmt, und die alten Fenster waren völlig verwittert. Damit hatten wir aus energie- und heiztechnischer Sicht eine Ausgangssituation wie bei einem Neubau", sagt Jürgen Rimmelspacher. Von fossilen Brennstoffen unabhängig sein Mit der Erneuerung des Heizsystems allein war es also nicht getan. Insgesamt verfolgte die Familie das Ziel, von fossilen Brennstoffen unabhängig zu werden – obwohl die Stadtwerke Ettlingen für die Umstellung auf eine Gasheizung noch einen Zuschuss gewährt hätten. Außerdem sollte der Energiebedarf für Heizung und Warmwasserbereitung so weit wie möglich durch passive Maßnahmen gedeckt werden können. Nach dem Umbau deutet im Wohnzimmer mit den großen Fenstern auf der Südseite nichts mehr darauf hin, dass es in diesem Haus bisweilen unbehaglich gewesen sein kann. Ein Pellet-Wohnraumofen strahlt wohlige Wärme in den Raum, und die Innenflächen der Außenwände mit 18 cm Wärmeschutz aus Mineralwollelamellen sind auch bei kalten Außentemperaturen handwarm. Energieberater mit einbezogen Die Detailaufnahme neben der Eingangstür zeigt die Ausführung der Fassadendämmung kurz vor Abschluss der Arbeiten.Pelletheizung mit Solar kombiniert Das Ingenieurbüro für Energieberatung stellte eine Energiebilanz auf und erarbeitete mehrere Vorschläge, wie das rund 70 Jahre alte Stadthaus möglichst viel passive Energie nutzen kann. Die anhand des Ist-Zustands ermittelten Zahlen belegten, dass etwas unternommen werden musste: Auf dem Energiebedarfsusweis wäre das Haus mit 'H' bewertet worden – somit also im roten Bereich. Angesichts eines Endenergiebedarfs von 75.500 kWh pro Jahr – entsprechend einer Heizölmenge von rund 7.400 Liter – verwundert dies nicht weiter. Unter Berücksichtigung aller passiven Maßnahmen sowie moderner Heiztechnik ergab sich ein verbleibender Heizwärmebedarf von gerade mal 5,5 kW. Die Heiztechnik sollte ausschließlich regenerative Energien nutzen und dabei noch den Brennstoffverbrauch minimal halten. Dies allerdings nicht zu Lasten des Komforts, denn die thermische Behaglichkeit war ebenso ein Ziel der energetischen Sanierung: "Behaglichkeit ist dadurch definiert, dass alle Wand- und Bodenflächen möglichst die gleiche Temperatur aufweisen", erläutert der Physiker, der nach seiner Erfahrung die Hinzuziehung eines Energieberaters ausdrücklich empfiehlt. Energieberater Gerhard Ecker vom Ingenieurbüro Ergotrop brachte ihn schließlich auf die Idee, eine Holzpelletheizung mit Solarwärme zu kombinieren – eine nahezu ideale und vor allem CO2-neutrale Verbindung regenerativer Energietechnik. Aufeinander abgestimmtes Pellet-Solar-Heizsystem Für die Raumheizung im energetisch sanierten Altbauhaus sorgt ein Pellet-Wohnraumofen in Verbindung mit einer Solarwärmeanlage.gleicht die Abweichung von der eigentlich optimalen Südausrichtung aus. Ein Solarspeicher für Heizung und warmes Wasser Der Pellet-Wohnraumofen "Futuro PE" arbeitet als zentrale Wärmequelle im Prinzip wie ein Kessel mit Umlaufwasser. Etwa zwanzig Prozent der erzeugten Wärme geht als angenehme Strahlungswärme direkt in den Raum. Der größte Teil der Heizwärme wird durch den Wasser-Wärmetauscher in einen Pufferspeicher geleitet, der im Keller steht. Um den 1.000 Liter fassenden Solar-Pufferspeicher aufstellen zu können, wurde eine Bodenvertiefung betoniert, da die Raumhöhe zu niedrig war. In einem 1.000 Liter fassenden Solar-Pufferspeicher wird die vom Pellet-Wohnraumofen erzeugte Heizwärme zusammen mit der von den Solarkollektoren gelieferten Sonnenenergie bevorratet.Neben dem Pufferspeicher stapeln sich im Keller einige Dutzend Säcke Holzpellets, mit denen der Pelletofen nachgefüllt wird. Zum Thema Investitionskosten wirft der Hausherr ein: "Nur die reinen Anschaffungskosten zu betrachten, greift zu kurz. Man muss die Investition über einen langen Zeitraum zusammen mit den Betriebs- und Wartungskosten sehen, erst dann kann die Wirtschaftlichkeit beurteilt werden." Zahlen und Fakten Objekt: Einfamilienwohnhaus in Ettlingen bei Karlsruhe Daten aus der Energiebilanz: - Nutzfläche nach EnEV: 229 m² - Beheiztes Raumvolumen: 720 m³ - Hüllfläche: 500 m² Ist-Zustand vor der Sanierung (Auszug): - Hoher Primärenergiebedarf: 370 kWh pro m² und Jahr - Ölheizung Bj. 1980, 43 kW Nennwärmeleistung - Dämmtechnische Schwachstellen: Dach und Betondecken minimal gedämmt, Ziegelmauerwerk ungedämmt, Kellerdecke ungedämmt, Rollläden undicht und ungedämmt, Heizungs-Verteilleitung unzureichend bzw. teilweise nicht gedämmt. Energiebilanz: - Endenergiebedarf: 75.500 kWh/Jahr (ca. 7.400 l Heizöl/Jahr) - Transmissionswärmeverluste (Wärmeverluste über Fenster, Dach, Außenwände) 45.000 kWh/Jahr Energieberater: ergotrop Ingenieurbüro für Energieberatung und Planung Ettlingen Pellet-Solar-Komplettsystem: Pellet-Wohnraumofen Futuro PE-WW 10: Heizleistung max. 10 kW, Kesselwirkungsgrad > 90% Solar-Schichtenspeicher ProTherm: Gesamtinhalt 1.000 l, Warmwasserbereiter 30 l (Durchlaufprinzip) Solarkollektoren InLine: Kollektoren für dachintegrierte Montage auf Dächern mit 20° bis 65° Neigung, Kollektorfläche 2,53 m² Leser Kommentare |